Sterbephasen

"Niemand vermag allein, d.h. ohne wesentliche Hilfe anderer, sein eigenes Leben zu leben und seinen eigenen Tod zu sterben... Daher ist Sterbehilfe notwendig. Sie umfaßt alle ärztlichen und pflegerischen Hilfeleistungen in der letzten Lebensphase oder in einem todbringenden Krankheitsprozeß und jede geistig-seelische Hilfe der den Sterbenden begleitenden Menschen ... Sterbehilfe ist also intensive Lebenshilfe in der letzten Lebensphase...

Es lassen sich mehrere Phasen des Sterbens unterscheiden. In der ersten Phase erlebt der Kranke Unwissenheit und Unsicherheit; Sterben und Tod werden von ihm verdrängt oder sogar geleugnet. Damit ist die Situation gegeben, in der sich der Kranke noch nicht der eigenen Todesgefährdung zu stellen vermag. Sie erfordert ein hohes Maß an Geduld und Einfühlungsvermögen, damit der Kranke nicht in seiner Verleugnung bestärkt wird und seinen Widerstand gegen die konkrete Wirklichkeit aufgeben kann.

Im weiteren Verlauf gelangt der Sterbende, der längere Zeit mit seiner schweren Krankheit leben muß, zur Auflehnung gegen sein Schicksal. Dies kann sich in heftigen Gefühlsäußerungen, Aggressionen, Neid, Zorn, Hader und Klagen äußern... Je mehr der Begleiter eines Sterbenden die Heftigkeit solcher Äußerungen zu verstehen und anzunehmen vermag, desto mehr hilft er dem Sterbenden, sich von der Ablehnung des Sterbenmüssens befreien zu können, desto eher vermag der Sterbende sich auch wieder von solchen Gefühlen und Erlebnissen zu trennen, die sich ihm in dieser Phase ohne seine eigene Entscheidung von innen her aufdrängen. Es kann sogar förderlich sein, wenn der Begleiter dem Sterbenden zu diesem Erlebnis verhilft, damit dieser seinen Widerstand gegen das Sterbenmüssen aufgibt und zu einer bejahenden Einstellung kommen kann.

Die dritte Phase ist die Zeit des Verhandelns mit dem Schicksal, in der der Sterbende beginnt, sich mit der Wirklichkeit des Todes auseinanderzusetzen und ihn in die noch verbliebenen Lebensmöglichkeiten einzubeziehen, auch wenn es ihm oft schwerfällt, diese angemessen einzuschätzen.

Es folgt die Phase der Depression, in der der Sterbende in wachsender Zurückgezogenheit, in Traurigkeit und vielen Verstimmungen die Wirklichkeit des Sterbenmüssens anzunehmen beginnt. Damit setzt die Phase der Annahme des Todes ein, in der der Sterbende auf je eigene Weise sich von den Lebenden zurückzieht und oft sogar Frieden mit dem Tod schließt."

Hirtenwort der deutschen Bischöfe

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